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Berliner Morgenpost vom 16.11.2003, Margit Miosga

Schokolade? Gern, aber bitte mit Pfeffer

Es ist wie bei einem Sketch der "Versteckten Kamera": Da gehen Passanten am Laden an der Salzburger Straße vorbei, schauen so nebenbei in die Auslage, gehen weiter, stutzen, zögern, drehen um, schauen nochmal durch die Scheibe, verharren kurz, atmen tief durch ... und öffnen die Ladentür. Und dann ist es um sie geschehen. Wer eine Schwäche für die süße Seite des Lebens hat, ist jetzt fällig.
Die beiden Besitzerinnen des Eckladens nahe des Schöneberger Rathauses zelebrieren erlesene Süßigkeiten. Neue Kunden reagieren noch schüchtern, wenn ihnen zur Begrüßung eine dieser hauchzarten Schweizer Pralinen angeboten wird. Aber dann brechen die Dämme. Es gibt fast alles, nur eins gibt es nicht: Gewöhnlichkeit. Die berühmten belgischen Pralinen kommen zum Beispiel nicht ins Regal. "Zu süß und zu fett", sagt Ingrid Lang. "Wir verkaufen nur, was uns selbst schmeckt".
Die beiden Freundinnen, "Ingrid Lang (48 Jahre, Vollmilchschokoladeliebhaberin) und Karin Krömer-Rüde (51 Jahre, schwärmt für möglichst dunkle Sorten) haben vor zweieinhalb Jahren den leer stehenden Laden entdeckt und ihn kurz entschlossen gemietet. Da hatte die eine schon vier Kinder groß gezogen, die andere zwei. Seitdem sind sie selbständige Geschäftsfrauen, fahren auf Messen, probieren sich durch süße Neuheiten.
"Das ist harte Arbeit", sagt Karin Krömer-Rüde und sortiert Pralinen in die selbst entworfenen Schächtelchen. Sie suchen immer kleine, individuelle Hersteller ungewöhnlicher Produkte.
"Schokolade probieren ist wie Wein probieren. Am besten in kleinen Stücken, nie die ganze Praline, und dazu schwarzen Tee oder Kaffee.
Wenn die beiden nach etlichen Proben nicht mehr mögen, lassen sie sich "Schmeckmuster" schicken. So heißt das in der Welt der feinen Süßwaren. Eine Entdeckung der beiden ist eine Konditormeisterin aus Münster, die sich auf handgerührte Schokoladen spezialisiert hat. Sie weiß, wie viel Kakaogehalt die Bohnen auf einer bestimmten Plantage in Costa Rica oder Granada haben. Ihre kleinen Schokoladetafeln sind edel wie Jahrgangsweine. Oder der verrückte Österreicher Zotter, der eine wilde Kollektion an Schokoladen herstellt, immer mit ungewöhnlichen Zutaten wie Pfeffer und Minzeöl. Der Renner ist Schokolade mit Hanf und Mokka.
Die teuerste Schokolade kommt aus Frankreich, da kostet ein Täfelchen 4,50 Euro, aber Schokoladejunkies kaufen jede Lieferung in ein paar Tagen auf.
Das Sortiment des Süßen Lebens umfaßt auch Klassiker wie die Hamann-Schokolade, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Berlin produziert wurde, immer noch im Design der 40er Jahre verpackt. Das ist ein Jahrzehnt zu früh, um Ingrid Langs zweite Leidenschaft zu kitzeln. Sie sammelt fast alles aus den 50er-Jahren. Aus ihrem Fundus kommt der vielarmige Leuchter an der Decke, ihre Idee war es, die Wände dezent mit Blattgoldquadraten zu dekorieren. Der einzige unschöne Gegenstand im Laden ist die Überwachungskamera. "Die braucht man leider, sie hat uns schon vor einem Überfall bewahrt".
Karin Krömer-Rüde war früher Buchhalterin, sie ist das Rechenzentrum des Süßen Lebens. Ingrid Lang kommt aus einer hessichen Bäckerfamilie. Von dort stammen die Vaillekipferl, Zimtsterne und Stollen der Vorweihnachtszeit. Die Rezepte sind noch vom Großvater.
Und haben sie zugenommen, seit sie in Sachen Süßigkeiten tätig sind? "Am Anfang ein paar Pfund, aber wenn man nur beste Schokolade isst, braucht man immer weniger."
Margit Miosga


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